Geschichte

Steuerwahnsinn in der Geschichte - Die Latrinensteuer

Es gibt fiskalische Raffinessen in der Steuergeschichte, bei deren Absurdität und Irrwitzigkeit ein jeder steuerpflichtiger Bürger bestimmt am liebsten die steuermoralische Fahne gestrichen hätte. Bartsteuer, Hexengeld, Fenstersteuer, Hochzeitssteuer, Perückensteuer, Seelensteuer Bettensteuer, Urinsteuer – all dies waren aberwitzige Steuern, mit denen die Obrigkeiten damalige Steuerzahler in die Verzweiflung getrieben haben. Weil es in der trockenen Welt der Steuertexte auch etwas zu lachen geben soll (wir sind ja nicht betroffen), wollen wir Letztere heute in diesem Artikel einmal genauer betrachten.

Wer Pipi muss, soll Geld bezahlen – Die Latrinensteuer

Der römische Kaiser Vespasian (69 - 79 n.Chr.) hat auf alles Steuern erhoben, was man sich vorstellen kann. Er war ein wahrer Meister an Erfindungsreichtum, um staatliche Einnahmen zu erhöhen. Aufgrund seines hohen Ammoniakgehalts wussten die alten Römer den Rohstoff Urin als wertvollen Helfer zu schätzen. Etwa beim Wäschewaschen, Gerben von Leder oder Zähneputzen. Der Kaiser erhob also eine Steuer auf Urin, das mithilfe von Amphoren auf öffentlichen Toiletten eingesammelt wurde. So musste jeder Bürger, der aufs Klo musste, eine „Urinsteuer“ bezahlen.

„pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht)

Geld stinkt nicht

Sein Sohn Titus fand diese Praxis unanständig. Als er sich bei Kaiser Vespasian darüber beschwerte, soll dieser ihm eine Münze unter die Nase gehalten und gefragt haben, ob diese stank. Dies musste Titus verneinen, obwohl diese Münze „aus dem Urin“ stammte. Dies schrieb Sueton ungefähr 120 n. Chr. im „De vita Caesarum“. Hieraus ist dann vermutlich die berühmte Redewendung „pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) entstanden.

Stefanie Kruttasch ist Marketingberaterin und hat sich auf Kanzleikommunikation spezialisiert. Sie leitet seit 2011 die Unternehmenskommunikation unserer Kruttasch Steuerberatungsgesellschaft mbH. Das Marketing- und PR-Handwerk lernte sie in großen und kleinen Werbeagenturen Berlins und Düsseldorfs. Als kreativer Kopf der Kanzlei, ist sie immer auf der Suche nach neuen Ideen und liebt es neue Kontakte zu knüpfen. Ihre Lieblingsthemen für unseren Kruttasch-Steuerblog sind: Praxistipps für den (Finanz-) Alltag, sinnvolle Marketingmaßnahmen für KMU, lustige Geschichten Rund um Steuern (ja, die gibts) und alles, was aktuell ist und spannend klingt.